Ich bin dann mal offline!

Eines der modernsten Probleme unserer Zeit ist es, überall und zu jeder Zeit erreichbar zu sein. Wenn ich so durch die Stadt laufe, mir die Menschen ansehe, fällt mir immer stärker auf, dass sie fast nicht mehr miteinander kommunizieren. Oft haben sie ein rechteckiges Ding in der Hand, auf dem sie wild draufeintippen. Noch vor 10 Jahren fand ich das lustig, in China über die Straße zu gehen und den Menschen dabei zuzusehen, wie sie trotz auf das Handydisplay schauend, wie von selbst ihren Weg durch die Menschenmasse finden, ohne einen dabei anzurempeln. Das ist jetzt auch bei uns angekommen. WhatsApp, Emails, SMS, Facebook, Instagram und Co. Ohne Handy ist man definitiv nicht mehr salonfähig.

Ein Bonner Forschungsteam hat mit der Smartphoone App Menthal ermittelt, das wir im Schnitt 3 Stunden am Tag mit dem Handy verbringen und es alle 15 Minuten zur Hand nehmen. Das regt zum Nachdenken an.

Aber nicht nur das, sondern es fühlt sich für mich subjektiv zunehmend mehr so an, als ob die Zeit sich beschleunigt hätte. Wir rennen von Termin zu Termin, erledigen das noch schnell und dies noch schnell, laden uns immer mehr auf, funktionieren im Beruf, in der Familie, und kriegen gar nicht mehr mit, dass es uns langsam aber sicher immer mehr in die Stressfalle bringt.

Aus diesem Grund schreibe ich heute einen Blog darüber, wie wir wieder dieser Falle entkommen können.

 

Im Hamsterrad des täglichen Wahnsinns festsitzen

Wie viele Menschen fallen abends total ausgelaugt ins Bett?

Auch mir ging es oft so. Ich wusste, dass ich daran etwas ändern durfte. Mir machte nämlich mein Stresspegel zunehmend zu schaffen. Ich wurde reizbarer, nervöser und krankheitsanfälliger.

Also begann ich vor einigen Jahren, mir mal meinen Tagesablauf aufzuschreiben und zu analysieren. Mit Erschrecken fand ich heraus, dass ich von den 16 Stunden Wachzeit mir nur teilweise 1 Stunde Pause gegönnt hatte. Ich war viel zu beschäftigt, mich mal hin zu setzen und in die Ferne zu schauen. Lieber checkte auch ich meine Nachrichten, aß zwischendurch schnell etwas und zappte mich durchs Fernsehprogramm. Unter den obigen Durchschnittszahlen der Handyuser Statistiken konnte ich mich schon damals wiederfinden.

Aber noch erstaunlicher fand ich, dass es mir nicht einmal aufgefallen war, dass ich nur am Tun war. Ich drehte meine Runden im Hamsterrad und sah vor lauter Arbeit mich selber nicht mehr. Ich musste erst immer stärker erkranken, bis ich merkte, dass da etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Also hatte ich die Bremse gedrückt und einige Punkte in mein Leben verändert. Das war natürlich ein Prozess und nicht von heut auf morgen umsetzbar. Aber hier möchte ich Dir trotzdem zur Inspiration einige davon nennen:

 

Unerreichbar sein

In der heutigen Zeit ist es gar nicht mehr so einfach, sich gegen die Außenwelt abzuschotten. Egal wo man sich befindet, es wird von einem einfach erwartet, erreichbar zu sein. Das hat mich dann irgendwann ziemlich erschrocken, denn es ging auch mir so.

Also begann ich mal, mein Handy auszuschalte und zu Hause meine Telefone auf stumm zu stellen. Das war wirklich eine große Herausforderung für mich. Aber es hat funktioniert. Nach einiger Zeit gewöhnte sich mein soziales Umfeld daran, mir wieder wie in den alte Zeiten auf den Anrufbeantworter zu sprechen und ich konnte dann entscheiden, wann ich zurück rufen werde.

 

Sich Zeit einplanen, wann man Soziale Netzwerke aufsucht

Ich liebe WhatsApp, vor allem, wenn sie lustig sind. Dann teile ich wie verrückt. Facebook ist auch sehr wichtig für mich, da meine Kunden durch meine Gruppenarbeit viele kostenlose Informationen erhalten. All das ist natürlich mit viel Zeit verbunden.

Aber ich habe gelernt, mich nicht davon abhängig zu machen und mir dafür Zeiten im Alltag zu blockieren. Nicht wenn das Handy Bing macht, sondern wenn ich will, werden diese Dinge getan. So handhabe ich es auch mit meinen Emails. Sie werden zu einem bestimmten Zeitpunkt abgerufen und bearbeitet.

 

 

 

Hobbies pflegen

Vor lauter Arbeit, Kinder, Ehemann und Haushalt, vergisst man oft einfach das, was man früher mal gerne gemacht hat, nämlich seine Hobbies. Man kann auch das wieder lernen, in den Alltag zu integrieren. Daher fang an, Dich zurück zu ziehen und wieder die Hobbies einzuführen: Sport, Musizieren, Malen, Meditation usw. Gerade diese Zeit für sich lässt die Energietanks wieder füllen.

Natürlich braucht man dazu etwas Disziplin, aber wo ein Wille, da ein Weg. Denn genau diese täglichen Rituale helfen einem, das „Verschwinden“ zu üben. Nimmt man sich täglich Zeit für seine Hobbies, muss man gar nicht mehr darüber nachdenken, in den Offlinemodus zu gehen.

 

Zeit für sich selbst einplanen

Nur ich, niemand anderes. Das war die größte Herausforderung.

Ich kam mir am Anfang sehr egoistisch vor, aber ich habe es geschafft. Und weißt Du was, es war für mich die beste Entscheidung, die ich je treffen konnte. Was habe ich gemacht:

Es fing mit einem täglichen Spaziergang an oder mit einem Lauf durch den Wald. Meine regelmäßigen Meditationszeiten folgten. Während meiner Arbeit stellte ich mir einen Timer und führte meine Zigarettenpause ohne Zigarette ein, denn ich bin Nichtraucher. Ich glaube das ist einer der wenigen Vorteile, die ein Raucher hat. Er nimmt sich Zeit für sich. Also tat ich das ab sofort auch. Ich ging nach draußen und erschuf Luftschlösser ohne rauchen.

Dann kam eines Tages eine super Idee von meinem Mann. Wir führten pro Woche für jeden 2 Abende ein, die der einzelne für sich alleine nutzen konnte. Der andere kümmerte sich dann ums Kind. Dafür danke ich noch immer meinen Mann. Er zwang mich wirklich dazu und nun kann ich es mir ohne diese Abende nicht mehr vorstellen. Dienstag und Donnerstag sind seit dem meine Bianca Abende. Da gehe ich zum Sport, treffe mich mit anderen Leuten oder veranstalte Webinare.

Dann fing ich an, einen Tag nur für mich einzuführen. Das wurde auf Wochenenden ausgedehnt und heute fahre ich ganz ungeniert auch mal alleine in den Urlaub.

Es bringt nicht nur mir sehr viel, auch unsere Beziehung ist dadurch unglaublich gewachsen. Wir verbringen ca. 20 Stunden am Tag miteinander, da wir beide in unserem Haus leben und arbeiten. Wenn wir dann uns mal für einige Zeit nicht sehen, uns nur um uns selbst kümmern, genießen wir immer stärker auch die Zeit zu Zweit wieder. Nach einer Woche Urlaub ohne ihm, freue ich mich wie am Anfang unserer Beziehung, endlich wieder in seinen Armen liegen zu können.

 

Das Beste zum Schluss

Diese Zeit nur mit mir, hat mich zu mir selbst geführt. Ja, ich habe angefangen, eine Beziehung mit mir einzugehen. Ich erkundete mich, lernte, was meine Bedürfnisse sind, was ich liebe, was ich nicht mag, wo meine Grenzen sind. Genau dieses Abgrenzen ist wichtig für mich geworden.

Aber das interessanteste dabei ist, ich lernte nach und nach neben meiner eigenen Wertschätzung, mich selbst zu lieben. Jeden Tag ein Stück mehr. Und heute kann ich sagen, dass ich nicht mehr so stark von Außen abhängig bin, nicht mehr von der Liebe, Wertschätzung, Anerkennung, Beachtung, Ermunterung und der Meinung anderer.

Das heißt nicht, das mir alles Egal geworden ist, aber ich bin dadurch Selbstbewusster geworden. Ich höre immer mehr auf meine innere Stimme, oder besser ausgedrückt auf mein Herz.

Ich kann voller Stolz sagen, ich bin glücklich. Denn die Arbeit an der Beziehung zu mir, hat mich gelehrt, auf was es wirklich im Leben ankommt. Und das ist die Liebe zu mir selber. Sie macht mich glücklich, nährt mich, inspiriert mich.

Denn wie heißt es in der Bibel:
„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“

Also fang endlich an, Dich selbst zu lieben, erst dann hört die Aufopferung für andere auf und die Liebe von Innen nach Außen beginnt.

Denn Liebe ist das einzige, was sich vermehrt, wenn es geteilt wird.

 

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